Laudatio Großer Löwe
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... das ist mein Vater Klaus Fleischmann Einzelmitglied Hirschaid |
![]() Gesprächsrundenleiter Jürgen Richarz |
Der Film beginnt fast alltäglich. Eine ältere Frau, die ich nicht kenne, erzählt aus der Kindheit ihrer Eltern. Eine persönliche Lebensgeschichte aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts. Fotos der Eltern, natürlich in schwarz-weiß. Wir lernen eine gutbürgerliche Familie kennen, Bildungsbürgertum. Aha, der Vater hat Karriere gemacht. Aber dann kommt es fast beiläufig: Vater Georg war am geheimen Aufbau der Reichwehr nach dem ersten Weltkrieg beteiligt. Einer seiner Ausbilder war Generaloberst Ludwig Beck, sein Chef Admiral Wilhelm Canaris, Chef der deutschen Spionageabwehr. Die kennt man: Als Offiziere und Widerstandskämpfer gegen Hitler. Damit gewinnt das Interview mit der älteren Dame, sie heißt Frauke Hansen, eine historische Dimension: Ihr Vater ist Georg Alexander Hansen und gilt unter Experten als der vergessene Verschwörer des 20. Juli. Georg Hansen wurde, so erfahren wir, 1944 in Plötzensee hingerichtet. Sie selbst kam als kleines Mädchen in das Heim für die Kinder des 20. Juli. Sippenhaft nannte man das. Warum ist er Film wichtig? Ich wünsche der Dame noch ein langes Leben, aber diese Geschichten müssen jetzt erzählt werden, denn die Generation der unmittelbar oder mittelbar Betroffenen wird irgendwann ihre Geschichte nicht mehr erzählen können. Warum ist der Film als Film zu würdigen? Weil er uns in mit einer typischen Familiengeschichte abholt, quasi in der Normalität vieler Familien, und daraus das persönliche Erlebnis einer Zeitzeugin des Widerstands gegen Hitler entwickelt. Damit gewinnt der Film Authentizität und Glaubwürdigkeit über das persönliche Erlebnis hinaus. Den „Großen Bayerischen Löwen mit Rautenschild“ erhält der Film „ … das ist mein Vater“ von Klaus Fleischmann. Unterföhring, 23. Februar 2025 gez. Jürgen Richarz, Leiter der Gesprächsrunde |